Der süße Geschmack im Ayurveda

Bestimmt ist dir schon zu Ohren gekommen, dass zuviel Süßes einfach nicht gesund ist… Ob nun wegen der Zähne, den Kilos, weil die Haut davon unrein wird und natürlich wegen der Gefahr, an Diabetes zu erkranken… Und trotzdem geht es dir vielleicht so, dass Du Dich ab und an der „Süßen Lust“ einfach nicht entziehen kannst…. egal, ob Du es nun weißt oder nicht, das Verlangen ist einfach stärker als die Vernunft.

Und schon lassen wir alle guten Vorsätze sausen und knallen ne ganze Tafel Schoki auf einmal weg… (sieht ja keiner). Oder wir schaffen es einfach nicht, die verführerischen Düfte, die vom Bäcker unten an der Ecke zu uns durchs Bürofenster durchwabern, zu ignorieren, halten nicht länger Stand und holen ganz ganz fix ein herrliches Kuchenpaket – ist ja für die Kollegen und nicht nur für uns selbst… Überhaupt steht das Thema Naschen in Büros und am Arbeitsplatz ganz hoch im Kurs oder wie ist Deine Erfahrung?

Hast Du Dich eigentlich schon mal gefragt, warum das so ist?

Warum wird in Büros so viel genascht, warum trösten wir Kinder, die sich wehgetan haben, mit einer Süßigkeit, warum greifen wir fast unbemerkt, wieder und wieder in die Gummibärchentüte und warum fällt es immer so schwer, dem zu widerstehen? Obwohl wir doch nicht dick oder krank werden und erst recht kein Zahnweh bekommen möchten….

Ich versuche es mal mit einem Ayurvedischen Erklärversuch. Vielleicht erkennst Du Dich ja selbst ein bisschen wieder oder einen Menschen in deiner Nähe und verstehst vielleicht ein wenig besser, warum er (oder Du selbst) im Prinzip gar nicht so viel dagegen machen kann… also wir können schon etwas machen… aber was, das erfährst Du nun gleich :).

Im Ayurveda unterscheiden wir 6 Geschmäcker:

  • süß
  • sauer
  • salzig
  • scharf
  • bitter
  • herb

Wobei jeder Geschmack eine Wirkung auf die 3 Doshas Vata, Pitta und Kapha hat. Vata wird durch süß, sauer und salzig in Balance gebracht, fehlen diese Geschmäcker, wird Vata sich immer mehr erhöhen, man häuft dann Vata-bedingte Symptome an (z.B. Kälte, Schmerz, Steifigkeit, Gewichtsverlust, Nervosität, Ängste, Schlafstörungen…). Pitta wird durch süß und bitter in Balance gebracht. Fehlen diese Geschmäcker, wird sich Pitta ungesund erhöhen. Die entsprechenden Symptome sind Hitze, Übersäuerung, Entzündungsneigungen, Haut- und Augenerkrankungen sowie Migräne und Gereiztheit. Kapha hingegen wird durch scharf, bitter und herb ausgeglichen. Fehlen diese Geschmäcker bei Kapha, entsteht eine Kaphaerhöhung, die sich in Gewichtszunahme, Trägheit, Antriebsschwäche oder Wassereinlagerungen äußert.

Grundsätzlich brauchen wir alle 6 Geschmäcker,

um rundum gut versorgt und genährt zu sein. Jeder Mensch – gleich von welcher Konstitution – täglich und in jeder Mahlzeit. Wenn wir einzelne Geschmäcker vergessen oder sogar vermeiden, kommt es zu einer Imbalance. So kann es eben sein, dass wir uns sehr „gesund“ ernähren möchten und deshalb z.B. Kohlenhydrate reduzieren oder gar komplett vermeiden, wie bei einer „Low Carb“-Diät. Einfache, schnell verdauliche Kohlenhydrate werden aus Getreide und Zucker gewonnen – beide sind Vertreter des süßen Geschmacks – und länger sättigende, sogenannte langkettige Kohlenhydrate, liefern uns z.B. Vollkorngetreide oder Gemüse.

Rohes Gemüse – bei der Rohkosternährung – enthält kaum den süßen Geschmack, vorwiegend aber den bitteren Geschmack. Ernähren wir uns über einen längeren Zeitraum nur roh, meiden wir (vielleicht sogar unbewusst) den  süßen Geschmack, wodurch eine Unterversorgung bedingt wird. Für einen Menschen mit Vata-Konstitution bedeutet das, dass die typischen Vata-Symptome zunehmen werden.

Nun fragst Du Dich sicher, wann jetzt die Erklärung für die Naschsucht folgt und warum gerade Du oder Dein Kollege so schwer davon loskommen…?

Süß balanciert das Vata-Dosha

Bist Du also gerade in einer Vata-Verfassung – z.B. in Deiner Konstitution oder aber sehr gestresst (das kann auch auf Pitta oder Kapha zutreffen), in der Vata-Jahrszeit (Frühjahr o. Herbst), der Vata-Tageszeit (14-18 Uhr) oder hast noch so viel am Computer zu tun, dass das Ende überhaupt nicht absehbar ist, kommt der süße Geschmack in Form einer wunderbaren Tafel Schokolade oder 1 Tüte Gummibärchen oder auch die nachmittägliche Einladung zu Kaffee und Kuchen einfach wie gerufen. Und kaum gönnst Du Dir 1 bis 2 Häppchen süße Lust, geht es dir direkt besser. Deine Stimmung hebt sich und Du kannst noch ein Weilchen durchhalten.

Und weil unser Gehirn sich solche schönen Erlebnisse besonders gut merken kann, lernen wir bereits in unserer Kindheit, dass Naschen uns gut tut – uns glücklich macht – unsere Seele streichelt.

Sesam-Laddu Simdosha

Und wie steht es um Pitta und Kapha?

Auch Pitta kann mit Süße besänftigt werden, also ab und zu mal süße Nahrung tut dem Pitta-Dosha sehr gut! Für Kapha bedeutet der süße Geschmack allerdings, dass es sich davon erhöht – und zwar ungesund – bis hin zu Übergewicht oder gar Fettsucht. Kapha ist schon in seinen Eigenschaften sehr süß und sollte bei dieser Geschmacksrichtung nur sehr zaghaft zugreifen. Aber Kapha nascht einfach aus Leidenschaft gern, Kapha ist von Geburt an ein Genusswesen und liebt alles, was weich und süß und lecker ist. Somit betrifft dieser Geschmack eben wirklich jeden von uns.

Wusstest Du, dass weißer Zucker Suchtpotential hat?

Insbesondere unsere Hirnzellen stehen auf schnell verfügbare Kohlenhydrate und klären das direkt mit unserem Mikrobiom (den Mikroorganismen, die unseren Darm bewohnen und für eine glückliche Verdauung sorgen). Naschen wir gern, züchten wir Darmbakterien, die schnell die Oberhand in unserem Darm gewinnen und die kleinen „vernünftigen“ Brüder gekonnt aus der Arena kicken. Dann senden sie bei Zuckermangel unmittelbar Signale in unsere oberste Schaltzentrale, dass Alarmstufe Rot erreicht ist, weil nichts „Schnellverfügbares“ mehr angeliefert wird. Man muss dann schon recht hartnäckig sein und die Sportsfreunde regelrecht aushungern. Das gelingt meist nur durch einen radikalen Zuckerentzug (genau wie bei anderen Drogen, wie z.B. Alkohol oder Heroin). Falls Du dieses Thema gern einmal angehen möchtest, melde Dich gern bei mir, wir finden bestimmt gemeinsam einen Weg aus der Zuckerfalle heraus.

Und wie geht gesund süß essen?

Schau am besten auf die Verpackungen Deiner Nahrungsmittel, sobald dort weißer Zucker oder Glukose oder auch Zuckeraustauschstoffe (z.B. Saccharose) oder auch Sirupe aufgelistet sind, lass sie einfach im Regal liegen. Sich auf Basis möglichst naturbelassener und unverarbeiteter Lebensmittel zu ernähren ist die 1. Wahl, dann hast Du den besten Überblick, was Du zu dir nimmst. Ich empfehle gern „gesunde Süße“ aus natürlich süßen Nahrungsmitteln, wie Obst, Trockenobst aber auch süße Getreidesorten (z.B. Reis oder Dinkel) oder natürliche Süßungsmittel, wie HonigKokosblütenzucker, Ahornsirup, Rohrzucker, Muscovado oder auch Sharkara (ayurvedischer feinster Zucker auf Rohrzuckerbasis, der an der Sonne getrocknet wurde).

Wir essen im Allgemeinen ohnehin viel zu süß, weil wir unsere Geschmacksnerven quasi überstrapazieren und sie dadurch im Laufe der Zeit abstumpfen, also  „unsensibler“ werden. Wenn Du schon einmal eine Fastenkur gemacht hast, weißt Du was ich meine. Wenn Du über einen gewissen Zeitraum einmal auf ein Zuviel verzichtest und ganz bewußt Nahrungsgifte weglässt, wozu auch der weiße Zucker gehört, wird Dir beim Fastenbrechen erst so richtig bewußt, wie unglaublich süß(!) natürliche Nahrungsmittel schmecken, wie z.B. ein ganz einfacher Apfel. Von so einem reinen Geschmacksempfinden ausgehend, wie nach dem Fasten, können wir viel besser verstehen, wie sich ein gesundes und rundes Geschmacksempfinden anfühlt.

Alles mal auf Anfang setzen

Vielleicht wolltest Du schon längst mal so einen Cut machen und Deine Ernährung mit einem „Reset-Button“ wieder auf „Start“ stellen? Ich biete Dir gern meine Begleitung an bei Deiner Ayurvedischen Frühjahrskur an, gerade jetzt wäre die perfekte Zeit dafür.

Und als kleines Ostergeschenk

habe ich ein ganz feines Rezept für eine ungeheuer leckere Kleinigkeit, dieses Mal jedoch mit wirklich vernünftigen Inhaltsstoffen, ohne Unmengen von Zucker oder Butter. Stattdessen mit Kokosblütenzucker und Kokosöl. Die Basis des Ganzen ist Kichererbsenmehl – und hast Du es bereits erraten?

Genau es ist Laddu – ich liebe diese kleinen Häppchen und versprochen: es ist auch nicht kompliziert. Vielleicht brauchst Du ja noch eine Inspiration für eine vernünftige Nascherei auf der Ostertafel. Im Übrigen lassen sich die Ladys auch zu Kugeln formen, warum dann nicht auch zu kleinen Ostereiern? Viel Spaß beim Nachmachen und frohe Ostern für Dich!

Sesam-Laddu Simdosha

Dieses salzig-süße kleine Ayurveda-Konfekt ist einfach himmlisch und weil es nicht so unbändig süß ist, macht es sich auch wirklich ganz phantastisch auf einer gesunden Ostertafel :).

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Sesam-Laddu Simdosha

Sesam-Laddu mit Kokosblütenzucker – weniger süß, vegan, glutenfrei


  • Author: simdosha
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Ingredients

  • 200 g Kichererbsenmehl
  • 100 g Kokosblütenzucker
  • einige Prisen Himalayasalz (nach Geschmack)
  • 6 EL Sesamsamen
  • 160 g Kokosöl
  • 10 Kapseln Kardamom
  • 1 Prise Vanille

Instructions

  • Zunächst den Kokosblütenzucker fein mahlen und anschließend in einer weiten Pfanne zusammen mit dem Kokosöl schmelzen lassen.
  • Die Kardamomkapseln im Mörser zerdrücken, Schalen entfernen und die Saaten fein zerreiben. Kardamom und Himalayasalz (2-3 Prisen) in die Pfanne geben und einrühren.
  • Das Kichererbsenmehl und die Sesamsamen zufügen und alles in Ruhe bei mittlerer Hitze rösten, solange, bis es leicht gebräunt, aber nicht verbrannt ist. Dabei immer mit einem Holzlöffel schön rühren.
  • Wenn ein feiner Duft aufsteigt, kann alles auf ein mit Backpapier belegtes Backblech oder eine Backmatte gestrichen werden. Nun mit einem Pizzaschneider in kleinen Rhomben schneiden. Alternativ: etwas abkühlen lassen und kleine Bällchen oder Ostereier formen.

In eine hübsche Dose oder ein Glas füllen und bis zum Verzehr im Kühlschrank lagern.

Notes

Falls Du keinen Kokosblütenzucker da hast, nimm einfach Rohrzucker, Rohrohrzucker oder etwas ähnliches.