Lauwarmer Radicchio mit gratinierten Feigen und Ziegenfrischkäse

© 2016 sim-dosha • Simone Panten

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Ein schnell gemachter lauwarmer ayurvedischer Salat für alle Doshas

Ein üblicherweise kalter Salat wird aus ayurvedischer Sicht grundsätzlich nicht empfohlen, weil durch die kalte Qualität der Nahrung unser Agni (=Verdauungsfeuer) sehr geschwächt wird. Somit sollte Rohkost und kalte Nahrung nur in wenigen Ausnahmen aufgenommen werden (wie z.B. mittags, wenn Agni am stärksten ist). In dem Moment jedoch, wo der Salat warm genossen wird und über 6 Rasas (Geschmäcker) verfügt, wird aus ihm dank seiner wunderbaren Zutaten ein hervorragendes ayurvedisches Nahrungsmittel. Erst recht, wenn er saisonal und konstitutionsgerecht zusammengestellt ist.

Da ich neulich noch einen hübschen Radicchio (sprich: Radickio), einige Feigen und Ziegenfrischkäse in meinen Vorräten fand, habe ich daraus ein kleines, sehr feines Gericht zubereitet. Radicchio ist eine Rote Chicoreeart und schmeckt aufgrund des enthaltenen „Intybin (auch: Lactucopikrin)“ leicht bitter. In der erwärmten Variante verliert sich dies allerdings schon etwas und ich persönlich finde seinen Geschmack äußerst lecker. Außerdem regen die Bitterstoffe sehr gut unsere Verdauung an, wirken entgiftend und der Radicchio kann durch seine leichte und trockene Qualität Kapha regulieren (er macht leicht).

© 2016 sim-dosha • Simone Panten

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Feigen haben einen süßen Geschmack, sind adstringierend und nach der Verdauung von kühlender Wirkung. Damit erhöhen sie Vata und Kapha, während sie Pitta besänftigen. Außerdem haben sie einen sehr hohen Eisengehalt und verfügen über mehr Calcium als Milch. Sie stärken Zähne, Zunge und Gaumen.

Die Mango gilt in Indien (wo sie beheimatet ist) als die „königliche oder göttliche“ Frucht – sie war einst den Königen vorbehalten, weil sie so göttlich schmeckt. Du solltest beim Kauf darauf achten, dass Du nur wirklich reife Mangos für den rohen Verzehr auswählst. Dann geben sie auf Druck leicht nach und duften angenehm aromatisch. Ansonsten betört uns die „Göttliche“ mit ihrer samtigen Süße und wirkt nach der Verdauung erhitzend. Somit kann sie alle 3 Doshas regulieren und ist ein großartiger Energielieferant. Außerdem ist sie kalorienarm und regt durch ihren hohen Faseranteil sanft unsere Darmtätigkeit an. Und weil sie mit ihrem Sonnengelb so eine Leuchtkraft hat, spendet sie mir persönlich, besonders an Herbsttagen, die vermuten lassen, dass sich die Sonne hinter einer fetten Betonschicht verschanzt hat, die helle Freude und wärmt mein Seelenleben.

© 2016 sim-dosha • Simone Panten

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Die Walnuss ist im Ayurveda ein sogenanntes Medhya-Rasayana, ein Tonikum für die Nerven, mit anderen Worten: sie wirkt beruhigend. Außerdem gilt sie als Aphrodisiakum, Antiallergikum, Antirheumatikum, Antipilzmittel ( v. a. gegen Candida albicans), Antiseptikum und Antiwurmmittel durch ihre adstringierenden Eigenschaften. Es soll wissenschaftliche Untersuchungen geben, nach denen schon der Verzehr von 3- 5 Walnüssen pro Tag das Cholesterin im Blut deutlich senken und somit vor Arteriosklerose schützen kann.

Gereifter Käse (Hartkäse, Schimmelkäse) wird aus ayurvedischer Sicht aufgrund seiner tamasischen Eigenschaften nicht empfohlen. Hierunter stellt man sich vor, dass besonders ein alter Käse unseren Geist aufgrund seiner Entstehung (durch einen Abbauprozess und Schimmelbildung) tamasisch beeinflusst. Der Ayurveda unterscheidet zwischen 3 geistigen Qualitäten: sattvisch, rasaisch und tamasisch. Sattvisch stellt dabei die höchste, reinste und für den Menschen zufriedenstellendste dar. Ernähren wir uns sattvisch, fühlen wir uns in der Folge gut gelaunt, genährt und friedvoll. Rasaische Nahrung stammt von flammenden, gelben, orangenen bis roten Nahrungsmitteln. Sie ist sehr energiegeladen, treibt uns an und lässt unseren Willen erstarken. Die tamasische Qualität sorgt für Ruhe, Gelassenheit und Entspannung nach dem Kampf, kann aber auch zu Trägheit und Pessimismus führen. Möchtest Du nach dem Essen gestärkt und optimistisch und nicht träge und pessimistisch sein, solltest Du den Anteil an tamasischen Lebensmitteln (Aufgewärmtes, Konserviertes, Vergorenes, Geschimmeltes) also möglichst gering halten.

Wenn wir gern Käse essen, dann besser einen, der noch so nah am Ursprung wie möglich ist, wie z.B. Rohmilchfrischkäse, um die positiven Eigenschaften der Milch für uns zu nutzen. Ziegenfrischkäse ist aufgrund seiner zusammenziehenden, süßen, kühlenden und leichten Eigenschaften besonders für Pitta zu empfehlen. Er kann bei Vata jedoch auch zu Verstopfungen führen. Hier wäre dann Kuh- oder Schafsmilchfrischkäse die bessere Wahl.

Und nun endlich zur Rezeptidee :-). Ich fand das Ergebnis ganz wunderbar, sehr harmonisch und lecker obendrein. Aus diesem Grund möchte euch nicht länger auf die Folter spannen – et voilà:

© 2016 sim-dosha • Simone Panten

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Zutaten:
(für etwa 2 Personen als Hauptgang oder 4 Personen als Vorspeise)

1 Radicchio
100 g Feldsalat
3 Feigen
6 Walnusshälften
1 frische, reife Mango
3-6 TL Ziegenfrischkäse (alternativ Kuh- oder Schafsmilchfrischkäse)
1,5 EL Ghee
Salz und Pfeffer aus der Mühle
einige Rosa Pfefferbeeren

Zubereitung:

Ofen auf 200 Grad vorheizen.  Feigen, Feldsalat und Radicchio waschen und das Gemüse trockenschleudern, die Feigen vorsichtig abtrocknen und von oben kreuzweise einschneiden und etwas auseinanderziehen. Eine kleine Gratinform mit 1/2 EL Ghee einstreichen und Feigen hineinsetzen. In jede Feige je 1-2 TL Ziegenfrischkäse sowie 2 Walnusshälften setzen. Salzen und pfeffern und ca. 10 Min. im Ofen gratinieren bis der Frischkäse leicht angebräunt ist.

Sobald die Feigen im Ofen sind, den Radicchio in einzelne Blätter zerteilen und in 1 EL Ghee in einem weiten Topf bei kräftiger Hitze anbraten, durchschwenken, salzen und pfeffern. Dann den Herd ausschalten und das Gemüse abgedeckt noch etwas ruhen lassen. Nun den Feldsalat auf einem breiten Teller anrichten. Eine frische Mango schälen, von einer Hälfte dünne Tranchen schneidenund den Rest fein würfeln.

Den angebratenen Radicchio auf dem Feldsalat anrichten. Darüber die Mangotranchen und gratinierten Feigen geben, die Mangowürfel drüber streuen und mit Salz und Pfeffer sowie einigen leicht angemörserten Rosa Pfefferbeeren würzen.

Tipps für die Doshas: Pitta bitte nur vorsichtig schärfen! Kapha kann mehr Schärfe und mehr Radicchio vertragen, dafür weniger Mango. Vata darf mehr Mango und weniger Ziegenfrischkäse bekommen.

Wichtig: unbedingt noch warm servieren. Guten Appetit! Ich freue mich auf euer Feedback!

 

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